Sehen Sie, wie der BD-Athlet Jacopo Larcher die schwierigste Trad-Route Frankreichs, Bon Voyage (9a/5.14d), klettert.
21. April, Innsbruck – Jacopo Larcher gilt als einer der erfahrensten Trad-Kletterer. Als einer der Pioniere, die das Leistungsniveau des Sportkletterns von 9a in den Trad-Bereich überführten, setzte Jacopo Larcher 2019 mit seiner Erstbegehung von „Tribe“ (9a/5.14d) einen Meilenstein. Die Route gilt bis heute als eine der anspruchsvollsten Trad-Linien weltweit und unterstreicht Larchers Rolle als einer der führenden Akteure in dieser Disziplin.
Kürzlich kletterte Jacopo Larcher in Frankreich gemeinsam mit Connor Herson die Trad-Route „Bon Voyage“ – eine ikonische Linie von James Pearson im Grad 9a/5.14d. Die Begehung zeigt eindrucksvoll, wie Larchers jahrelange Erfahrung und sein feines Gespür für anspruchsvolle Trad-Linien in diese außergewöhnliche Route einfließen.
Mit dieser eindrucksvollen Dokumentation feiert Black Diamond zugleich den nächsten Schritt in der Zusammenarbeit mit Jacopo Larcher: Der Athlet ist ab sofort auch in Black Diamond Bekleidung unterwegs und verkörpert damit die enge Verbindung aus Performance, Vertrauen und Funktion, die die Marke auszeichnet.
ÜBER JACOPO LARCHER
Jacopo Larcher ist ein italienischer Kletterer aus Bozen, der inmitten der Berge Südtirols aufgewachsen ist. Schon mit 10 Jahren hat er seine Leidenschaft fürs Klettern entdeckt und sofort verliebte sich in das Gefühl von Freiheit, das das Klettern ihm gab. Viele seiner frühen Jahre verbrachte er auf Wettkämpfen in der Halle, doch 2011 verlagerte er seinen Fokus nach draußen – auf der Suche nach mehr Abenteuer, getrieben von der Lust zu reisen und neue Orte und Kulturen Über die Jahre hinweg hat er zahlreiche Kletterdisziplinen ausprobiert, doch Trad- und Big-Wall-Klettern entwickelten sich zu seinen zentralen Leidenschaften.
Im Laufe der Jahre hat Jacopo Larcher die Welt bereist – von den Big Walls im Yosemite bis zu abgelegenen Bergen in Pakistan, häufig an der Seite seiner Partnerin Barbara Zangerl. Gemeinsam haben sie legendäre Routen bewältigt, darunter viele freie Begehungen am El Capitan sowie die „Eternal Flame“ am Nameless Tower. Einer seiner bedeutendsten Erfolge war die Erstbegehung der Trad-Route „Tribe“ in Cadarese, Italien – eine Erfahrung, die ihn nachhaltig geprägt hat und dieser Linie einen besonderen Platz in seiner persönlichen Geschichte verleiht.
Jacopo ist immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen – seine Motivation findet er darin, zwischen verschiedenen Kletterstilen und Sportarten zu wechseln. Wenn er nicht gerade am Felsen hängt, schraubt er als internationaler Routenbauer, fliegt mit dem Gleitschirm, steht auf Skiern oder fängt besondere Momente mit der Kamera ein. Er ist seit 2008 in Österreich zuhause.
Mehr zu Jacopos Kletterphilosophie erfahrt ihr in seinem weiter unten folgenden Essay über Trad-Klettern.
Trad-Klettern im Aufwind
Von Jacopo Larcher
Es ist eine andere Herangehensweise an die Ressource Fels. Du formst ihn nicht nach deinen Bedürfnissen sondern passt dich an. Es ist eine fairere Herangehensweise und eine anspruchsvollere Suche. Aber es ist ein extrem befriedigendes Gefühl, nach unten zu blicken und statt einer Reihe Karabiner oder Haken nur noch blasse Chalkspuren zu sehen. Meistens kann man nach einem ordentlichen Regenschauer gar nicht mehr erkennen, ob schon einmal jemand an diesem Felsen war. Genau diese Kombination ist es, die mich am Trad-Klettern anzieht.
Ich hatte schon früh das große Glück, dass mir ein Freund die Linie zeigte, die wir später Tribe nennen würden. Auch wenn es nicht sofort wusste, war die Route genau das, wonach ich gesucht hatte: eine ästhetische, anspruchsvolle Linie, mit gerade genug gut platzierten Sicherungen, um sie gefahrlos klettern zu können.
Als ich anfing, die Route einzustudieren, hatte ich noch wenig Erfahrung im Trad-Klettern. Ich erinnere mich, dass ich einfach nur herumprobierte, ohne wirklich einen Plan zu haben. Ich hielt es für extrem gefährlich und dachte, ich müsste die Züge vor einem Durchstiegsversuch perfekt einstudieren, da ein Sturz keine Option war. Im Laufe der Zeit und nachdem ich Erfahrungen in anderen klassischen Routen gesammelt hatte, wurde mir klar, dass genau das Gegenteil der Fall war. Die Sicherungen waren gut. Es könnten einige weite Stürze dabei sei, aber insgesamt war es sicher.
Dieses Projekt wurde zu einem Spiegel meiner Entwicklung als Trad-Kletterer. Sechs Jahre lang, Saison für Saison, konnte ich Fortschritte feststellen – nicht nur in dieser Route, sondern beim Trad-Klettern insgesamt. Im Rückblick war das eine unglaubliche Erfahrung, aus der ich viel lernte. Allerdings hinterließ sie auch ein Gefühl der Leere in mir, da ich so etwas wahrscheinlich so schnell nicht wieder erleben werde.
Meine Suche nach der nächsten Traumroute im Trad-Stil war nach Tribe noch nicht vorbei. Mir wurde jedoch klar, wie schwierig das tatsächlich ist und wie viel Glück ich gehabt hatte, etwas zu finden, das körperlich so anspruchsvoll ist und dennoch eine sichere Absicherung ermöglicht.
Das wird wohl eine der größten Herausforderungen für die meiner Meinung nach vielversprechende Zukunft dieses Sports sein. In den letzten Jahren haben sich immer mehr Kletterbegeisterte dem traditionellen Klettern zugewandt, und viele starke Nachwuchstalente erweitern bereits die Grenzen dieses Sports. Ich finde, die Szene ist dynamischer geworden, und – was am wichtigsten ist – die allgemeine Herangehensweise hat sich verändert.
Früher konzentrierten sich die meisten Trad-Kletterer hauptsächlich auf diese eine Disziplin. Sie legten dabei zwar in Seillängen gemessen eine enorme Strecke zurück, gingen aber selten an ihre körperlichen Grenzen. So hatte sich diese Spielart des Kletterns nun einmal entwickelt. Die neue Generation hat jedoch die Mentalität des Sportkletterns und des Boulderns mit dem Trad-Klettern verschmolzen, und die Grenzen werden immer weiter verschoben.
Immer mehr Kletterer bewegen sich an ihrer Leistungsgrenze, und es ist für mich unglaublich inspirierend und motivierend, mitzuerleben, wie die jüngere Generation mit ihrem Können und ihrem Niveau neue Maßstäbe setzt. Als ich mit dem Klettern anfing, wurde Trad-Klettern hauptsächlich von „älteren“ Kletterern betrieben, und es ist erstaunlich zu sehen, wie jung die Trad-Szene inzwischen geworden ist. Das ist eine wichtige Grundlage für die Zukunft dieses Sports.
Für mich ist Connor das beste Beispiel. Ich hatte das Glück, in den letzten Jahren einige Trips mit ihm zu unternehmen und seine unglaublich rasante und steile Entwicklung mitzuerleben. Ihn klettern zu sehen, vor allem mit mobilen Sicherungen, haut mich jedes Mal um. Mit welcher Leichtigkeit er Sicherungen platziert und wie natürlich und mühelos er beim Rissklettern unterwegs ist, ist einfach beeindruckend. Angesichts seiner vielen Erfolge kann man fast nicht sagen, dass er noch am Anfang seiner Karriere steht. Mit Blick auf sein Alter ist es jedoch so. Ich bin sehr gespannt, wie weit er und andere junge Nachwuchstalente diesen Sport in den kommenden Jahren vorantreiben werden. Sie haben eindeutig das Können und die Motivation, Grenzen zu verschieben.
Die Frage ist, welchen Weg sie einschlagen werden. Routen nahe der körperlichen Leistungsgrenze zu finden, wird immer schwieriger werden. Es ist schon schwer genug, eine Sportkletterroute im Schwierigkeitsgrad 9c zu finden – geschweige denn eine, die auch die Verwendung von mobilen Sicherungen zulässt und sicher genug ist. Möglicherweise werden harte, gut absicherbare Trad-Linien in Zukunft öfter Ground-up oder im Flash bzw. Onsight begangen, doch neue zu entdecken, dürfte immer schwieriger werden.
Eine Alternative wäre, den Fokus auf gefährlichere, aber körperlich weniger anspruchsvolle Routen zu legen, die leichter zu finden sind. Dies ist das andere Ende des Trad-Spektrums, das in den letzten Jahren weniger intensiv vorangetrieben wurde. Früher haben 8b-Kletterer potentiell lebensgefährliche 8a-Routen eingerichtet, doch niemand aus dem 9b-Niveau hat bislang wirklich gefährliche 9a-Routen erschlossen. Abgesehen von wenigen Ausnahmen konzentrieren sich die meisten der neuesten, anspruchsvollen Trad-Routen auf sehr schwieriges technisches Klettern mit relativ geringem Risiko. Jedenfalls könnte dies eine weitere Richtung für harte Trad-Routen in der Zukunft sein – eine gewagtere, mit größerem Potenzial, aber auch mit schwerwiegenderen Konsequenzen.
Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass diese frische junge Energie im Trad-Klettern ein Geschenk ist. Das Klettern mit Connor zum Beispiel hat mich noch mehr motiviert, mein Bestes zu geben und meine Suche nach der Traumroute weiterzuverfolgen.
Pressekontakte
DE: Stefan Becker : stefan.becker@outkomm.com
Über Black Diamond
Black Diamond Equipment entwickelt innovative Produktlösungen zum Klettern, Wandern, Bergsteigen, Trailrunning und Skifahren, die begeistern. Black Diamond mit Sitz in Salt Lake City (Utah, USA) und Innsbruck (Österreich) hat sich für sein Engagement zur Verbesserung der Sicherheit in den Bergen einen Namen gemacht und einige der revolutionärsten und fortschrittlichsten Ausrüstungsgegenstände entwickelt, um Menschen beim Bergsport optimal zu unterstützen. Das Unternehmen betreibt aktiven Umweltschutz durch die Einführung und Umsetzung nachhaltigerer interner Prozesse – insbesondere im Hinblick auf Materialien, Produktzertifizierung, Herstellung und Transport sowie durch die Unterstützung lokaler und internationaler Umweltverbände.